
Die Pferde der iberischen Halbinsel
Ein Wildpferd des Typ III, dessen von der Natur geschaffener Körperbau sich bereits einem "Reitpferdmodell" näherte, war der Vorfahr des iberischen Pferdes, das zu späterer Zeit wegen seiner ausgeprägten Rittigkeit einst in ganz Europa begehrt war.

Die iberischen Pferderassen, P.R.E., Lusitano, und Alter Real sind verschiedene Zweige desselben Stammes. Der Einfluß der Mauren war in Spanien am größten, brachten sie doch den Berber im Jahre 712 mit und kreutzten sie ihn über Jahrhunderte - das Reich zerfiel erst 1212 - in die iberischen Rassen ein. In der Bedeutung für die Entwicklung der Spezies Pferd kommt das iberische Pferd direkt nach dem Araber, und dem Berber.
Dank des portugiesischen Hippologen Dr. Ruy d'Andrade kennen wir heute noch einen Nachfahren des Wildpferdetyps III: den Sorraia. Der Sorraia gilt heute als Ursprung der Lusitano Zucht.
Der Lusitano
in der Geschichte
Die Lusitanos sind eine Rasse, die sich über Jahrhunderte kaum geändert
hat, die Zuchtziele sind damals wie heute die selben: Merkmale, die sowohl
für ein Kriegs- als für ein Stierkampf- oder Hohe Schule-Pferd wichtig
sind. Das Resultat sind tapfere Pferde, die sich kaum von der Arbeit unter
dem Reiter ablenken lassen, und Spaß daran behalten.
Folgende 4 Linien werden als die wichtigsten Zuchtlinien Portugals angesehen:
Veiga, Andrade, Coudelaria Nacional und Alter Réal.
Das Gestüt Veiga wurde mit rein portugiesischen Linien gegründet. Die Pferde aus dieser Zucht waren und sind begehrt für den Stierkampf. Die Veigas besitzen ein sehr ausgeprägtes konvexes Profil mit langem Kopf und einen kompakten Körperbau. Die Bewegungen dieser Pferde sind teilweise etwas altmodisch mit viel Knieaktion, teilweise auch raumgreifend. Im allgemeinen sind die Veigas sehr temperament- und kraftvoll und sensibel.

Die Basis der Andrade-Zucht waren sechs Stuten und zwei spanische Hengste (Cartujanos). Die Köpfe der Andrades sind eher gerade und weniger konvex. Sie sind als etwas ruhiger und größer bekannt als die Veigas.
1891 entstand das Nationalgestüt Coudelaria Nacional de Fonte Boa, in
dem neben Lusitanos auch Vollblutaraber und Sorraias gezüchtet werden.
Zum Aufbau der Zucht wurde ebenfalls spanisches Blut verwendet. Das Nationalgestüt
stellt während der Decksaison auch privaten Züchtern Hengste zur
Verfügung.
Im Jahre 1748 wurde vom portugiesischen Herrscherhaus Braganza in Ville de Portel das erste Alter-Réal-Gestüt mit spanischen Stuten gegründet. Doch schon innerhalb der ersten acht Jahre wurde der Sitz des Gestüts nach Alter verlegt, wo es jetzt noch immer besteht . Alter und seine Pferde wurden vor allem durch Portugals bedeutendsten Hofstallmeister, dem Marquis von Marialva (1713 – 1799) berühmt.
Während
des Krieges 1804-1814 erlitt das Gestüt große Verluste, Napoleon
plünderte die Zucht, und raubte die besten Tiere. Die Rasse erholte sich
- nach verschiedenen Einkreuzungsversuchen, besonders verheerend waren diejenigen
mit arabischen Vollblütern - gegen Ende des 19. Jhdts. Man griff auf
die legendären Pferde der Familie Zapato zurück.
1834 wurde ein großer Teil des Gestütsgebietes auf Grund der Abdankung
von König Miguel konfisziert, der Pferdebestand wurde dadurch stark reduziert
und das Königliche Gestüt aufgelöst. Die Rasse wäre ganz
verschwunden, hätte nicht der berühmte portugiesische Hippologe
Dr. Ruy d’Andrade die Iniatitive ergriffen. Er betrieb eine Linienzucht
mit nur 2 Hengsten. 1932 wurde die Zucht an das Landwirtschaftsministerium
übergeben.
Signor Leather de Maceder schrieb 1971, dass der Oberarm des Alter Real kürzer sei als das Röhrbein, und die Brust besonders tief und weit. Damals kamen auch noch andere Farben vor, wie Füchse und Schecken. Heute sind es braune und dunkelbraune, die Individualität des Alter Real gegenüber den anderen iberischen Rassen ist aber über die Jahre hinweg erhalten geblieben.
Es folgten weitere Gestüte, die teilweise heute noch bestehen (zB Fernando Sommer d'Andrade, Manuel Tavares Veiga, Comphanhia das Lezirias,etc.)
Bis vor einigen Jahrzenten waren Lusitanos und und P.R.E. in einem Stutbuch vereint, die Spanier haben dann entschlossen, ein eigenes Stutbuch zu führen, um quantitativ mehr Pferde für den Export züchten zu können, worunter die Qualiät der Zucht etwas gelitten hat. Portugal war nun auf sich allein gestellt, schloß das Zuchtbuch und arbeite nach eigenen Vorstellungen weiter.
Der Lusitano heute - und seine Einsatzgebiete
Der Stierkampf
Im portugiesischen Stierkampf steht die Reitkunst im Vordergrund. Die jungen Pferde werden sorgfältig ausgewählt und erfahren eine jahrelange klassische Ausbildung; schließlich muß das Pferd einhändig geführt werden können. Auch Figuren der hohen Schule gehören zu dieser Ausbildung (Piaffe, Passage, Levade). Die Pferde benötigen außerdem "cow sense" - wie ein cutting Pferd, und eine gute Portion Mut (aber nie Übermut!). Sie müssen schnell, geschickt und wendig sein.
Die klassische Reitkunst
Hatte ihre Blütezeit im 18. und 19. Jhdt. und mit ihr das iberische Pferd. Hauptaugenmerk wird auf Durchlässigkeit, Rittigkeit, Eleganz und Leichtigkeit gelegt. Ansprüche, die der Lusitano bestens erfüllt. Heute erlebt die klassische Reitkunst eine Renaissance, aufgehört zu existieren hat sie zum Glück nie, gerade in Portugal mit den dortigen alten Ausbildungsprinzipien wurde die Reitkunst über die Jahre hinweg bewahrt und gepflegt.
Die Rinderarbeit
Es gibt sie noch, die Rinderhirten! Auf den Farmen, auf denen die Kampfstiere gezüchtet werden, erledigen sie ihre tägliche Arbeit: Rinder treiben, aussortieren, brennen, usw. Hier kommen sowohl reine Lusitanos als auch Kreuzungen (Cruzado Portugues) zum Einsatz.

Arbeitsreitweise
Die sogenannte "Working Equitation" hat sich aus der ursprünglichen Rinderarbeit entwickelt, und ist heute eine Turniersportdisziplin. Der Lusitano wurde seit Jahrhunderten auf Wendigkeit, gute Galoppade und Schnelligkeit gezüchtet, und diese Vorzüge soll die Working Equitation hervorheben. Die Bewerbe bestehen aus einer Dressurprüfung, einem Trail und Rinderarbeit. Die Aufgaben sind in verschiedene Schwierigkeitsstufen eingeteilt; in der schwierigsten muß alles einhändig auf blanker Kandare geritten werden. Hier sind abgesehen von Wendigkeit und Geschicklichkeit vor allem Gehorsam und Mitarbeit des Pferdes gefragt.
Springen
Der Springsport ist keine Disziplin, die von Lusitanos beherrscht wird, dennoch kann ein Pferd, das so vielseitig ist, auch hier eingesetzt werden. Daß ein Portugiese sogar in der höchsten Klasse mitspringen kann, hat John Whitaker bewiesen, der mit seinem Novilhero zwölfter in der Weltrangliste war.
Fahren
Das Fahren hat auch in Portugal eine lange Tradition, und hierfür werden ebenso die Lusitanos eingesetzt. Felix Brasseur wurde Weltmeister mit seinem Lusitano Gespann.
Dressur
Selbstverständlich ist der Lusitano auch für die sportliche Dresurreiterei geeignet. Vor allem in den höheren Klassen kann der Lusitano sein eigentliches Talent und seine Überlegenheit gegenüber anderen Pferderassen beweisen: in den versammelten Lektionen wie Piaffe, Passage, Pirouetten, etc. Somit ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass man immer wieder Lusitanos erfolgreich im Dressursport bewundern kann, wie zB Orphée bei den Olympischen Spielen in Barcelona.
Horseball
Ist in Portugal eine beliebte Disziplin. Für dieses rasante Spiel ist ein Pferd vonnöten, das Nervenstärke zeigt, mitdenkt und schnell ist. Die portugiesische Mannschaft wurde 1999 Vize Europameister.
Kurz um, Lusitanos sind Reitpferde für höchste Ansprüche - für fast jedes Einsatzgebiet - wenn gleich die weltweite Population sehr gering ist. Sie wird auf ca. 7.000 eingetragene Pferde geschätzt.
|
|||||
|
|
|||||